Rütte-Forum
Zentrum für Initiatische Therapie  und Transpersonale Psychologie - Psychotherapie,  Selbsterfahrung und Weiterbildung -

Inhalte der Ausbildung zum/zur „Initiatischen Therapeut*in“

 

I    Praxis Die Medien und Exerzitien der Initiatischen Therapie
Die Auszubildenden werden mit den Medien der Initiatischen Therapie durch ein ständiges Angebot an Schulungsgruppen, Supervision, Lehrtherapie, Praktika und Supervision über die ausgeübte Therapie vertraut gemacht.

 

Die Medien sind:

* die Initiatische Leibarbeit
* das Geführte Zeichnen
* die Arbeit mit Tonerde
* die Traumarbeit

* die Initiatische Astrologie
* die Initiatische Naturarbeit

* die Initiatische Leib-Stimmarbeit

Zusätzlich gibt es Erfahrungsmöglichkeiten mit Exerzitien wie:
* Schwertarbeit

* Bogenschießen
* Tai-Chi
* Zazen
* u.a.

 

Auch die Übung im Alltag, z.B. durch (freiwilliges) Arbeitsexercitium, wird gepflegt.

Als Räumlichkeiten (Seminarräume und Übernachtungsmöglichkeiten) stehen das Rütte-Forum (Graf-Dürckheim-Weg 5, Todtmoos-Rütte), und das Europäische Gästehaus (Kirchbergstr. 2, Todtmoos-Zentrum) zur Verfügung.

 

II        Erarbeitung der Theorie in Form von Seminaren und Literaturstudium:
Durch Seminare (z.Zt. von Dr. Liane Hofmann, Dr. Rüdiger Müller, Dr. Andreas Reimers, Dr. Monika Spahl, u.a.) und Literaturstudium werden profunde Kenntnisse der Theorie der Initiatischen Therapie und der Tiefenpsychologie sowie Grundkenntnisse zu Spirituellen Krisen, Psychopathologie, Traumatherapie, Hochsensibilität und Gestalttherapie vermittelt.

 

 

 

B Initiatische Therapie (6 Stunden)

Block 1: Literatur: Dürckheim, K.: Vom doppelten Ursprung des Menschen. Herder TB. Müller, R.: Wandlung zur Ganzheit. Herder 1981. Loomans, P.: Licht und Schatten der Meister. Psychosozial 2020

1.     Biografie von Dürckheim/Hippius – Rütte als Keimzelle

2.     Die metaphysische Anthropologie von Dürckheim, Begriffsbestimmung

3.     Das Wesen des Initiatischen – Ziele der Initiatischen Therapie: Initiation und Individuation

Block 2:

1.     Die theoretischen Grundlagen: Gestalt- und Ganzheitspsychologie, C.G. Jung und E. Neumann, Bezüge zur Humanistischen und Transpersonalen Psychologie

2.     Die West- Ost-Achse (Meister-Eckehart – Zen)

3.     Die praktischen Methoden: Geführtes Zeichnen, Arbeit am Tonfeld/ Tonerde, Personale Leibarbeit, Stimme und Musik, Bewegung – Hara, Tanz, Gebärden

Die Urzelle der Initiatischen Therapie liegt in Todtmoos-Rütte und entwickelte sich dort ab 1951. Das zugrundeliegende Menschenbild der beiden Initiatoren, Karlfried Graf Dürckheim und Maria Hippius, basiert auf dem irdischen und transzendenten Ursprung des Menschen. Daraus ergeben sich im Grunde zwei Herausforderungen für den suchenden Menschen: Die Verhaftung an die materielle Existenz erschwert die Durchlässigkeit zur Spiritualität, während eine zu große Transparenz zur „himmlischen“ Dimension mit existentiellen Problemen in der konkreten Lebensbewältigung einhergeht. Der nach Heil und Heilung suchende Mensch findet bei den klassischen Therapie- und Heilverfahren oft keine ihm entsprechende Hilfe. Die Erweckung (Initiation) zu einer versöhnenden Integration der beiden Polen ist das Ziel der Initiatischen Therapie. Dabei begleitet der erfahrene initiatische Therapeut diese Prozesse des „Stirb und Werde“ (Individuation).

Zu den praktischen Methoden gehören das von Maria Hippius entwickelte Geführte Zeichnen, die Arbeit am Tonfeld bzw. mit Tonerde, die Leibarbeit und andere meditative Übungen. Unverzichtbar ist das therapeutische Gespräch. Zu den theoretischen Grundlagen gehören die Tiefenpsychologie von C.G. Jung und Erich Neumann, die Erkenntnisse der Ganzheits- und Gestaltpsychologie, der Deutschen Mystik und die meditative Praxis aus dem Zen mit den daraus abgeleiteten Künsten wie Kyudo, Tai-Chi, Qi Gong, Schwertarbeit.

In diesem Kolloquium erarbeiten wir diese theoretischen Hintergründe der Initiatischen Therapie. Bei den Biografien der beiden Begründer beleuchte ich auch die dunklen Seiten ihrer Geschichte. Das speziell von Dürckheim geprägte Vokabular wie „Wesen“, „inständliches Bewusstsein“, Exerzitium“, „Alltag als Übung“ und die „initiatische Erfahrung“ wird ebenso vertieft wie die Parallelen zur Humanistischen und Transpersonalen Psychologie.

 

 

B. Tiefenpsychologie nach C.G. Jung (12 Stunden)

Literatur: Stein, M.: Landkarte der Seele. Walter 2000. Jacobi, J.: Die Psychologie C.G. Jungs. Fischer TB. Von Franz, M.-L.: Psychotherapie. Daimon 1990; Jaffé, A.: Erinnerungen, Träume, Gedanken von C.G. Jung. Walter 1971

Block 3:

1.     Ich-Bewusstsein - Komplexe - Libido

2.     Instinkte – Archetypenlehre – das kollektive Unbewusste

Block 4:

1.     Schatten (persönlicher und kollektiver) - Persona

2.     Animus – Anima, der ewige Jüngling – puella aeterna

Block 5:

1.     Das Selbst – seine Symbole in Ost und West

2.     Individuation – Wege zur Ganzheit

Block 6:

1.     Abwehrmechanismen

2.     Übertragung – Gegenübertragung – das Dritte der Zwei

3.     Synchronizität – Bezüge zur Quantenphysik und Bewusstseinsforschung

Die Begleitung des Individuationsweges bedarf tiefenpsychologischer Kenntnisse über die individuelle Psyche und das kollektive Unbewusste. Dürckheim und Hippius betonten die Notwendigkeit, die unbewussten Persönlichkeitsanteile des Klienten, seine Schattenseiten zu erhellen. Die Kenntnis über das „innere Kanalnetz“ hilft, Täuschungen und Projektionen zu entlarven. Diese entstehen oft bei außergewöhnlichen Erfahrungen, die durch existentielle Erlebnisse oder auch durch meditative oder spirituelle Übungen evoziert wurden. Der initiatische Begleiter sollte um die dabei entstehenden archetypischen Kräftekonstellationen wissen. Durch Traumarbeit und die aktiven meditativen Praktiken der Initiatischen Therapie können die freigesetzten Energien auf ihren Sinn- und ihre innere Zielorientierung (Entelechie) kanalisiert und in eine schöpferische Ordnung gelenkt werden.

Die Kenntnisse der Entwicklungsetappen dieses Prozesses, von der Bewusstwerdung des Ichs über die Ausdifferenzierung der Archetypen bis zur Annäherung an das Selbst ist das Thema des Kolloquiums. Dabei liegen die Akzente auf der Arbeit an den Schattenkräften, sowohl der persönlichen wie der kollektiven, der männlichen und weiblichen Energien (Animus und Anima) und der möglichen Erfahrungen des Selbst. Die therapiespezifischen Umgangsweisen mit den Abwehrmechanismen beim Klienten und beim Therapeuten selbst sowie die Übertragungsvorgänge sind ein weiterer Schwerpunkt. Jungs Forschungen über die Gleichsinnigkeit von Ereignissen, die oft in den Therapien unerwartet auftreten, werden ebenso erläutert wie die Querverbindungen der tiefenpsychologischen Dynamik zur transpersonalen Psychologie und modernen Quantenphysik und Bewusstseinsforschung.

 

 

 

 

 

C. Erich Neumann (18 Stunden)

Literatur: Neumann, E.: Ursprungsgeschichte des Bewusstseins. Fischer TB; Zur Psychologie des Weiblichen, Fischer TB; Die Große Mutter. Walter 1974. Kostenlose Downloads verschiedener Schriften von Neumann bei opus.magnum.com. Whitmont, E.: Die Rückkehr der Göttin. Kösel 1989.; Küstenmacher, M., Haberer, T., Küstenmacher, W.: Gott 9.0. Gütersloher Verlagshaus 2012. Antiquarisch sind die meisten Titel noch erhältlich.

Block 7:

1       Ursprungsgeschichte des Bewusstseins

2.     Uroboros – das Urmeer der Weisheit – Zentroversion

Block 8:

1.     Schöpfungsmythos – Heldenmythos – Wandlungsmythos

2.     Die Evolution des Bewusstseins nach Jean Gebser, Ken Wilber und „Gott 9.0“

3.     Was ist Bewusstsein? Diverse wissenschaftliche Ansätze

Block 9:

1.     Die Große Mutter – mythologisch, tiefenpsychologisch, symbolisch, im Alltag

2.     Der negative und positive Elementarcharakter

3.     Gier und Nahtoderfahrungen

Block 10:

 

1. Der Wandlungscharakter des Weiblichen – Sophia

2. Aktuelle Bezüge und Symbole zur Psychologie des Weiblichen

 

Block 11:

1.     Die Rückkehr der Göttin – Der Weg der Heldin heute

2.     Der weibliche und männliche Bewusstseinsweg

3.     Etappen des weiblichen Weges und Bezüge zu natürlichen Heilweisen und Heilmitteln

 

Block 12:

1.     Krise und Erneuerung

2.     Der Erdarchetyp

3.     Tiefenpsychologie und neue Ethik

Erich Neumann war Schüler und Mitarbeiter von Jung und beschäftigte sich intensiv mit der Evolution des Bewusstseins in seinen vielfältigen Stadien. Seine Forschungen orientieren sich an den Mythologien der Völker und religionswissenschaftlichen Studien.

Neumann ging davon aus, dass die Entwicklungsstadien des Bewusstseins sich aus einer ichkeimhaften, uroborischen Einheitswirklichkeit ausdifferenzierten. Jeder Mensch durchläuft auf seinem Individuationsweg bestimmte Etappen, die er dem mythologischen Heldenweg mit klar abgegrenzten Abschnitten zuordnet. Geleitet wird dieser Weg durch die Kraft der Zentroversion. Neumanns Arbeiten zur Ursprungsgeschichte des Bewusstseins sowie seine Forschungen über den Archetyp der „Großen Mutter“ sind unverzichtbar für die Begleitung initiatischer Prozesse und für das Verständnis des aktuellen Zeitgeistes. Die Unterschiede des männlichen und des weiblichen Weges sind ein dominantes Thema, gerade in der heutigen Gender-Diskussion und der Infragestellung der patriarchalen Dominanz. Ein weiterer Schwerpunkt des Kolloquiums unter dem Aspekt des weiblichen Entwicklungsweges (Kind-Mutter-Beziehung, Mädchen, Pubertät, Mutterschaft, Wechseljahre, reife und weise Frau) bezieht auch natürliche Heilweisen und Heilmittel mit ein.

Neumanns zeitgeschichtliche Analysen über kollektive und zugleich auch individuelle Krisen und Erneuerungen ist ein eigener Teil gewidmet. In seinen zukunftsorientierten Ausführungen über die neue Ethik weist er auf die Dringlichkeit der persönlichen und kollektiven Verwandlung des Bösen hin. Der moderne Mensch als Mitgestalter einer neuen Kulturtherapie arbeitet an der Rücknahme der alten ethischen Projektionsmechanismen in Gut und Böse. So kann in den nächsten Jahrhunderten eine wachsende menschheitliche Solidarität gelingen. Weitere umfangreiche Arbeiten über die „Einheitswirklichkeit“ und den Wechselwirkungen zwischen der inneren und äußeren Wirklichkeit überschreiten die Grenzen einer nur auf die innere Psyche ausgerichteten Psychologie. Für den initiatischen Wegbegleiter sind Neumanns Werke eine inspirierende Quelle für das Verstehen der komplexen Entwicklungsprozesse von Mensch und Menschheit.

 

D        SPIRITUELLE ENTWICKLUNG UND SPIRITUELLE KRISEN          9 Stunden

1)     Differentialdiagnose „Spirituelle Krise“

2)     Umgang/Begleitung von Spirituellen Krisen

 

E        GRUNDKENNTNISSE/EINFÜHRUNGEN

1) Psychopathologie              

2) Traumatherapie                 

3) Gestalttherapie                  

4) Hochsensibilität                

5) Praxiswissen/Handwerkzeug        

- Erstgespräch, „probatorische Stunden“, Therapieende, Erkennen und Umgang mit persönlichen/strukturellen Grenzen, somatischbedingte psychische Probleme, Missbrauch, Bedürftigkeit der TherapeutIn, Ethik Therapie, Rechtliches (Notizen, Weitergabe von Berichten, Schweigepflicht)

 

F         WAHLPFLICHT (mind. 18 Stunden)

- Teilnahme an Seminaren und Tagungen des Rütte-Forums sowie Kooperationspartnern

- Teilnahme an (selbstgegründeten) (online) Literaturzirkeln

- etc.

 


Abschluss mit einem Zertifikat zur/zum Initiatischen Therapeut*in/Wegbegleiter*in,

unterschrieben von der Leitung des Rütte-Forums und (von einer selbstausgewählten) Initiatischen Therapeut*in/Supervisor*in des Rütte-Forums, bei der die/der Auszubildende mind. 25 h Einzelbegleitung hatte.